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Anatolij Prokopjewitsch Tschudinow



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Metaphorische Rechtfertigung und Verurteilung des Krieges in russischen und amerikanischen Masssenmedien (kognitiver Aspekt) // Amades. Herausgegeben vom Institut fur Deutsche Sprache. Mannheim 2005. – № 2.




Anatolij Prokopjewitsch Tschudinow,

Dr. philol., Prof., Lehrstuhlinhaber fьr Rethorik

Uraler Staatliche Pдdagogische Universitдt



Metaphorische Rechtfertigung und Verurteilung des Krieges in russischen und amerikanischen Massenmedien (kognitiver Aspekt)


Im Laufe der letzten zehn Jahre kam mehrmals vor, dass die Vцlker Russlands und der USA ьberhaupt kein Verstдndnis fьr ihre gegenseitige Haltung gegenьber den lokalen Kriegshandlungen hatten. Dieser Mangel an Verstдndnis war besonders groЯ bei der Beurteilung von Kriegshandlungen in Jugoslawien, im Irak und in Tschetschenien. Beispielsweise bedarf einer Erklдrung die erstaunliche Tatsache, dass die absolute Mehrheit der Bьrger und alle groЯen politischen Parteien Russlands den blutigen antiserbischen Terror von seiten der albanischen Separatisten sowie barbarische Bombenangriffe auf die friedlichen Stдdte Jugoslawiens verurteilten, wдhrend die Цffentlichkeit der meisten europдischen Lдnder und der USA das Opfer des Miloschevič-Regimes – das freiheitliebende albanische Volk – unterstьtzte, dem heldenmьtige NATO-Streitkrдfte zur Seite standen.


Die Untersuchung von Faktoren, die die цffentliche Meinung eines jeweiligen Landes beeinflussen, ist ein vielschichtiges Problem. Einer der wichtigsten Ansдtze zur Lцsung dieses Problems ist eine kognitive Untersuchung von Methoden der metaphorischen Rechtfertigung (und Verurteilung) des Krieges, d.h. der Mittel der bildlichen Erklдrung dessen, warum die jeweiligen Kampfhandlungen vom Standpunkt der Moral notwendig und legitim oder, im Gegenteil, amoralisch und rechtswidrig sind. So eine Untersuchung muss durchgefьhrt werden unter Berьcksichtigung der allgemeinen Rolle von Metaphern des Krieges im politischen Discours des heutigen Russlands und der USA.


Im heutigen politischen Discours wurde die Metapher zu einem starken Mittel der kognitiven Beeinflussung des Adressaten. Zum Beispiel in der kognitiven Arbeit von G.Lakoff (1991) wurde gezeigt, wie die USA-Regierung und die auf ihrer Seite stehenden Massenmedien mit Hilfe eines speziellen Systems von konzeptuellen Metaphern dem amerikanischen Volk (aber auch der ganzen Menschengemeinschaft) beibringen wollten, dass die Kampfhandlungen der Vereinigten Staaten gegen das Saddam-Hussein-Regime im Irak vom Standpunkt der Moral tadellos seien, denn dies sei ein Kampf gegen den blutigen Tyrannen, der einen unprovozierten Aggressionsakt verьbt habe. In derselben Arbeit werden metaphorische Argumente untersucht, die angewendet werden zur Verurteilung der Einmischung der USA in die inneren Angelegenheiten der arabischen Lдnder und zur Unterstьtzung des totalitдren Regimes in Kuweit.


G.
Lakoff schreibt (1991), das gegenseitige Missverstдndnis zwischen den US-Amerikanern und den Arabern wдhrend des Krieges am Persischen Golf sei im wesentlichen durch die unterschiedliche Rolle von konzeptuellen Metaphern (Verwandtschaft, Macht, Verbrecher, Beschьtzer, Opfer) im nationalen Bewusstsein zu erklдren. Die von amerikanischen Politikern fьr die Rechtfertigung ihrer Kriegshandlungen benutzten metaphorischen Bilder erwiesen sich als ьberzeugend, doch auf die Vцlker des Nahen Ostens machten einen groЯen Eindruck die Metaphern der Anhдnger von Saddam Hussein.


Zu nicht weniger interessanten und wichtigen Ergebnissen kцnnte eine vergleichende Analyse von Metaphermodellierungen des Kriegsgeschehens (militдrische Konfrontation in Kossovo, NATO-Bombenangriffe usw.) im russischen und amerikanischen politischen Discours fьhren. Es stellt sich heraus, dass sowohl die amerikanische, als auch die russische Darstellungsweisen von Kriegshandlungen in Jugoslawien dem von G.Lakoff (1991) zur Diskussion gestellten metaphorischen Modell im politischen Discours (Verbrecher – Opfer – heldenmьtiger Retter) voll entsprechen. Doch der Verbrecher und das Opfer tauschen ihre Rollen im politischen Discours Russlands und der USA: fьr die Amerikaner sind die Verbrecher die Serben und die Opfer – die Albaner, und in den russischen Massenmedien werden als Verbrecher die Albaner und als das unschuldige Opfer die Serben dargestellt. Dementsprechend spielten im europдischen und amerikanischen Weltbild die Rolle des heldenmьtigen Retters die NATO-Streitkrдfte, wдhrend in der Vorstellung unserer Politiker und der meisten russischen Journalisten diese Rolle den russischen Streitkrдften zukam. Die russische Auffassung der Rollenverteilung scheint unter einem starken Einfluss der Metapher „Verwandtschaft“ zu sein: unseren blutsverwandten Brьdern, die derselben Konfession angehцren, passt eher die Rolle des Opfers, als die des Verbrechers. Aller Wahrscheinlichkeit nach sind die beiden Schemen von der Realitдt weit entfernt: die beiden gegeneinander kдmpfenden Seiten waren gleichzeitig Opfer und Verbrecher, und die NATO-Generale dachten wahrscheinlich an ihren eigenen Ruhm und an die Demonstration ihrer Militдrmacht mehr, als an die Rettung des unschuldigen Opfers.


Kennzeichnend ist, dass bei der Darstellung der Lage in Jugoslawien die russischen Massenmedien stets die konzeptuelle Metapher „Russen und Serben sind Brьder“ benutzten. Bekanntlich ist die Anwendung der Metapher „Verwandtschaft“ ein starkes Mittel fьr eine Umstrukturierung des politischen Weltbildes (Tschudinov 2001). Statt der in der zivilisierten Welt allgemein anerkannten Prinzipien der zwischenstaatlichen Beziehungen (Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten, Befolgung der Beschlьsse von internationalen Organisationen, Achtung der Menschenrechte) wird fьr die Beziehungen zwischen Russland und Jugoslawien das Modell von Familienverhдltnissen benutzt. Und diese Verhдltnisse werden nicht durch Gesetze geregelt, sondern durch die traditionellen Vorstellungen davon, wie in jeweiligen Situationen Verwandte handeln mьssen. Nach diesen Vorstellungen sind alle Familienangehцrigen die „Unseren“, und nцtigenfalls mьssen sie den „Fremden“ gemeinsam entgegentreten; entsprechend der Familienmoral muss man den „Seinen“ verteidigen, unabhдngig davon, ob er im Recht oder im Unrecht ist; den „Seinen“ muss man selbstlos helfen, ohne an groЯe materielle Kosten und an die Entwicklung der Beziehungen mit den „Fremden“ lange nachzudenken; das Familienoberhaupt hat besondere Rechte und ist dazu noch fьr das Wohlergehen eines jeden Familienangehцrigen verantwortlich; die „jьngeren“ Familienangehцrigen mьssen die „дlteren“ achten und ihre Ratschlдge befolgen.


Bei der Bewertung der Rolle des zu untersuchenden Modells sei zu berьcksichtigen, dass die Metapher „Verwandtschaft“ eine der hдufigsten im russischen politischen Discours ist. Entsprechend diesem Modell der Verhдltnisse zwischen dem Staat und dessen Bьrgern, zwischen dem Staatsoberhaupt (dem Zaren, dem Prдsidenten, dem Chef der regierenden Partei u.a.) und dem Volk, zwischen den slawischen Vцlkern (sowie zwischen der orthodoxen Kirche und dem Volk), zwischen den Lдndern des „sozialistischen Lagers“ und anderen Subjekten der politischen Tдtigkeit werden grundsдtzlich als Verhдltnisse in einer Familie dargestellt, deren Angehцrige unter sich eine Blutsverwandtschaft und feste Verbundenheit empfinden.


Fьr den amerikanischen politischen Discours ist die Metapher der Verwandtschaft weniger charakteristisch, deshalb sind in den USA die russischen metaphorischen Argumente nicht so beeindruckend, wo, wie G.Lakoff nachgewiesen hat, die Metaphern „Krankheit und Gesundheit“, „Finanzen und Sport“, die Figur des fьr Ordnung sorgenden Polizisten, Darstellung des Krieges als Fortsetzung der Politik (die Metapher von Karl Klausewitz) usw. besonders wirksam sind. Andererseits werden die amerikanischen Metaphern der Gesundheitspflege, des Profits und des gerechten Polizisten in Russland nicht gebьhrend verstanden.


Bei der Bildung der цffentlichen Meinung spielt selbst das System von Benennungen eine groЯe Rolle. Diesen Benennungen liegt grundsдtzlich eine Bewertung zu Grunde, eine latente Rechtfertigung oder Missbilligung von Kriegshandlungen und deren Beteiligten.


Daher wenden wir uns den fьr russische Massenmedien typischen Benennungen der zu untersuchenden Realien zu. Wir berьcksichtigen dabei die Tatsache, dass das Begriffsfeld von Framen, die zur Benennung von Kampfhandlungen in Jugoslawien dienen, ein zweipoliges System von Oppositionen mit einer Vielzahl von Zwischenelementen bilden-


  1. ^ Benennungen der an Erdkampfhandlungen gegen die Serben beteiligten Personen.

Das System von in der russischen Presse typischen Benennungen der an Erdkampfhandlungen gegen die Serben beteiligten Personen lдsst sich als eine Art Bewertungsskala darstellen. Auf einem Pol dieser Skala befinden sich die Benennungen der an Kampfhandlungen Beteiligten als Missetдter und Kriminelle, auf dem anderen – deren Benennungen als Helden oder Menschen, die Verehrung und Mitgefьhl verdienen. Weiter unten werden wesentliche Untergruppen dieser Benennungen analysiert.

    1. Benennungen der an Kampfhandlungen gegen die Serben Beteiligten als Verbrecher:

Banditen. Banditentum ist ein schweres kriminelles Verbrechen, das eine (es sei denn eine politische) Rechtfertigung hat. Die Bekдmpfung des Banditentums ist die Pflicht eines jeden Staates.

Terroristen. Terrorismus ist ein Verbrechen, welches politische Ziele verfolgt. Der Terrorismus gilt in der ganzen Welt als ein schweres Verbrechen. Wenn in Kossovo Terroristen Krieg fьhren, dann ist deren Verfolgung und sogar Vernichtung vцllig legitim, weil alle zivilisierten Lдnder den Terrorismus verurteilen.

Freischдrler. Freischдrler sind Mitglieder von eigenmдchtig gebildeten Freiwilligentruppen, die gegen Armee und Polizei kдmpfen, aber die zivile Bevцlkerung nicht terrorisieren. In juristischen Hinsicht ist die Beteiligung an solchen eigenmдchtig gebildeten Freiwilligentruppen auch ein Verbrechen, doch im realen politischen Leben werden die Freischдrler von einem Teil der Bevцlkerung hдufig unterstьtzt, sie finden auch oft ihre Sympathisanten im Ausland. Kennzeichnend ist, dass solche Freiwilligentruppen im Laufe der Zeit als legitime Truppen anerkannt werden.

    1. Verurteilende Benennungen.

Separatisten. Separatismus ist eine verurteilende Bezeichnung fьr das Streben nach der Bildung eines neuen Staates auf der Grundlage eines Teils des schon existierenden Staates. Der Separatismus an und fьr sich wird in den meisten Lдndern als kein Verbrechen angesehen.

Nationalisten. Nationalismus ist eine verurteilende Bezeichnung fьr eine Ideologie, der die Idee der Ьberlegenheit einer Nation gegenьber anderen Vцlkern liegt und der Begriff der Nation als hцchste Form einer Menschengemeinschaft verstanden wird. Die Vertreter dieser Theorie sind der Ansicht, dass die Interessen der Nation wichtiger sind als die Rechte eines einzelnen Menschen. Doch solange die Aktivitдten solcher Organisationen dem Grundgesetz nicht widersprechen, kцnnen sie nicht als verbrecherische Organisationen angesehen werden.

    1. Neutrale Benennungen.

Zu den emotionell unmarkierten Bezeichnungen fьr die an Kriegshandlungen Beteiligten gehцren Bezeichnungen mit folgender Semantik: Nationalitдt, Konfession, Wohngebiet.


In der Zeit der Kriegshandlungen in Kossovo galten als neutral folgende Bezeichnungen: Albaner, albanische Kampftruppen (diese Bezeichnungen betonen die internationale Natur der Kriegshandlungen), mosleminische Truppen, Allah-Kдmpfer (Hervorhebung von konfessionellen Merkmalen), Kossovaren, Kossovo-Befreiungsarmee (Selbstbenennung der Kossovo-Einwohner und offizielle Bezeichnung fьr Kampftruppen der Kossovo-Albaner).

    1. Benennungen mit positiver Bewertung.

Aufstдndische, Insurgenten (diese Wцrter bezeichnen die Teilnehmer des bewaffneten Volksaufstandes gegen die Unterdrьcker), Patrioten (Menschen, die ihre Heimat lieben und bestrebt sind, ihrer Heimat Nutzen zu bringen), Kдmpfer fьr die Freiheit ihrer Heimat.


Spezielle Untersuchungen zeugen davon, dass in den meisten Fдllen russische Journalisten die Benennungen der ersten und der zweiten Untergruppe benutzen, d.h. sie benennen die Teilnehmer der Kampfhandlungen gegen die serbischen Streitkrдfte direkt als Verbrecher oder sie benutzen andere verurteilende Bezeichnungen. Bedeutend seltener werden neutrale Bezeichnungen mit positiver Bewertung gebraucht. Ganz anders sah das System von Benennungen der Kriegsteilnehmer in amerikanischen Massenmedien, wo die Kossovo-Albaner als Freiheitskдmpfer bezeichnet wurden, die dem grausamen Diktator Widerstand leisteten.


  1. Benennungen der Kriegsteilnehmer gegen die Kossovo-Albaner und die NATO-Luftstreitkrдfte. Gegen wen kдmpften die NATO-Luftstreitkrдfte und Kossover Befreiungsarmee?

2.1. Die Bezeichnungen fьr Serben als Verbrecher.

Das verbrecherische Miloschevič-Regime, der blutige Diktator Miloschevič, Unterdrьcker der Freiheit, Okkupanten, Kriegsverbrecher.

2.2. Verurteilende Benennungen. (ohne eine direkte Verurteilung der Verbrecher).

Die Belgrader Machthaber, das Miloschevič-Regime, die Belgrader Kriegstreiber (kennzeichnend ist, dass in den russischen Massenmedien ьberhaupt keine verurteilenden Bezeichnungen fьr unmittelbare Kriegsteilnehmer – fьr Soldaten und Offiziere der jugoslawischen Armee und der Polizei verwendet wurden).

2.3. Neutrale Benennungen. Zu dieser Gruppe gehцren offizielle stilistisch neutrale Bezeichnungen, die lange Zeit vor Kriegshandlungen gebrдuchlich waren.

Prдsident Miloschevič, die Fьhrung Jugoslawiens, Jugoslawien, Serbien, Jugoslawische Volksarmee, regulдre Armee, Serben.

2.4. Benennungen mit positiver Bewertung.

Slawische Brьder, „Unsere“, Heimatverteidiger, Kдmpfer gegen den terrorismus, rechtmдЯige Machtorgane Jugoslawiens.


In der russischen Publizistik wurde die Verwandtschaft von Serben und Russen in sprachlicher und konfessioneller Hinsicht betont. Viele halten diese nachdrьckliche Betonung fьr nicht ganz korrekt, weil in Russland nicht nur Slawen und Orthodoxe leben. Das ist zum Beispiel eine Verletzung von Regeln der politischen Korrektheit in Bezug auf die mohammedanische Bevцlkerung Russlands.


Es ist vцllig klar, warum kommunistisch und nationalistisch orientierte Massenmedien nur die Benennungen der letzteren Untergruppe benutzten, doch dieselben Benennungen wurden auch von Politikern und Journalisten gebraucht, die entgegengesetzte politische Ansichten vertreten. Die Analyse der amerikanischen presse zeigt jedoch, dass dort am hдufigsten verurteilende Bezeichnungen fьr die jugoslawische Fьhrung und die in Kossovo kдmpfenden jugoslawischen Streitkrдfte benutzt wurden.


  1. Benennungen von Aktionen der NATO-Luftstreitkrдfte gegen Jugoslawien:




    1. Bezeichnungen fьr diese Aktionen als verbrecherische Aktivitдten.

Vцlkermord in Serbien, Terror gegen das serbische Volk, verbrecherische NATO-Aktivitдten

    1. Verurteilende Benennungen.

Krieg gegen die Serben (im letzteren Fall wird betont, dass die Kriegshandlungen allen Serben Unheil bringen), Bombenangriffe auf die friedlichen serbischen Orte (nachdrьcklich betont werden die Leiden von unschuldigen Menschen).

3.3 Neutrale Benennungen.

Krieg gegen Jugoslawien, Kampfhandlungen gegen Jugoslawien, Angriffe auf die gegnerischen Stellungen.

    1. Mildernde Benennungen.

Sanktionen gegen Jugoslawien (Sanktionen sind angeblich kein Krieg mehr; in diesem Fall wird die Lage nicht als tragisch empfunden, diese Bezeichnung macht die Opfer und Zerstцrungen nicht so bemerkbar), Krieg gegen Serbien (es wird betont, dass gegen Montanegro – gegen die zweite jugoslawische Republik – keine Feindschaft gehegt wird), Krieg gegen Belgrad (im letzteren Fall ist der Feind nicht mehr ganz Serbien, sondern nur die Staatsfьhrung), Krieg gegen Miloschevič (das Objekt der Feindschaft ist dabei nur der Prдsident und der Krieg wird lediglich zu einer „Aktion“), Krieg gegen das blutige Miloschevič-Regime (betont wird die verbrecherische Tдtigkeit von Miloschevič, folglich wird der Krieg als eine gewisse Aktion dargestellt, mit deren Hilfe das serbische Volk vom verbrecherischen Regime befreit werden soll), Hilfe fьr die Opfer des Miloschevič-Regimes.


Man kцnnte noch mehr Beispiele bringen, aber die allgemeine Schlussfolgerung liegt auf der Hand: der Krieg kann als Hilfe oder wenigstens als Aktion bezeichnet werden; Raketenangriffe wдren angeblich nur gegen Miloschevič gerichtet gewesen, dabei wurde verschwiegen, dass Bomben und Raketen auch der zivilen Bevцlkerung den Tod brachten.


Solche Materialien zeugen davon, dass die Wahl von Benennungen die Bildung der цffentlichen Meinung in betrдchtlichem MaЯe beeinflussen kann. Das System von Metaphern kann zur Konzeptualisierung des politischen Weltbildes und zur Umbildung der цffentlichen Meinung beitragen.


Beispielsweise wurden in den russischen Massenmedien die Teilnehmer der Kriegshandlungen gegen die jugoslawischen Streitkrдfte in Kossovo Banditen, Freischдrler, Terroristen und Separatisten genannt. Bedeutend seltener wurden neutrale Bezeichnungen (Kossovaren, Kosovo-Albaner) gebraucht und es fehlten gдnzlich solche Bezeichnungen mit positiver Bewertung wie Aufstдndische, Insurgenten, Patrioten. In den amerikanischen Massenmedien war die Benennungsskala von Beteiligten an Kriegshandlungen eine ganz andere: die Kossovo-Albaner wurden dargestellt als Freiheitskдmpfer, die dem grausamen Diktator Widerstand leisteten.


Nicht weniger wichtig ist die Tatsache, dass in den russischen Massenmedien von der NATO-Aggression, von Bombenangriffen auf die serbischen Stдdte und Orte und in den amerikanischen Massenmedien vom Kampf gegen den „Diktator Miloschewič“ oder gegen das „Miloschewič-Regime“ die Rede war.


Der Krieg in Jugoslawien ist zu Ende, dessen Teilnehmer stehen heute vor dem internationalen Gericht in den Haag. Aber es gibt andere Kriege, doch die Massenmedien stellen dieselben Menschen als Helden oder Verbrecher, als unschuldige Opfer oder Henker, als Aufstдndische oder Separatisten dar. Es ist sehr gut, dass die Цffentlichkeit sowohl in Russland, als auch in den USA den Kampf gegen die Terroristen von Ben Laden unterstьtzte. Es ist aber auch bekannt, dass es in manchen Lдndern Politiker und Journalisten gibt, die selbst diese Terroristen als Kдmpfer gegen die Unterdrьcker und religiцse Mдrtyrer darstellen.

Literaturnachweis



Tschudinow, Anatolij P. (2001, 2002, 2003): Russland im Spiegel der Metapher // Die russische Sprache. Moskau. 2001, Nr. 1, S. 34-41; Nr. 3, S. 31-37; Nr. 4, S. 42-48; 2002, Nr. 1, S. 39-43; Nr. 2, S. 47-52; Nr. 3, S. 42-46; 2003, Nr. 1, S. 38-41; Nr. 2, S. 44-48. [Чудинов, Анатолий П. (2001, 2002, 2003): Россия в метафорическом зеркале // Русская речь. Москва, 2001, № 1, с. 34-41; № 3, с. 31-37; № 4, с. 42-48; 2002, № 1, с. 39-43; № 2, с. 47-52; № 3, с. 42-46; 2003, № 1, с. 38-41; № 2, с. 44-48.]


Tschudinow, Anatolij P. (2001): Russland im Spiegel der Metapher: Eine kognitive Untersuchung der politischen Metapher (1991 – 2000). Jekaterinburg, 2001. [Чудинов, Анатолий П. (2001): Россия в метафорическом зеркале: когнитивное исследование политической метафоры (1991 – 2000). Екатеринбург, 2001.]


Lakoff, G. Metaphor and war: The metaphor system used to justify War in the Gulf // D.Yallet (ed.). Engulfed in War: Just War and the Persian Gulf. Honolulu, 1991.




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